Setzen, 6! Härtetest nicht bestanden!
Die dünne Luft in Mile High scheint den Rams nicht zu bekommen. Am Ende steht eine Niederlage, die mit zunehmendem Abstand umso unnötiger erscheint. Aber viele eigene Fehler und Undiszipliniertheiten holten die Broncos wieder ins Game. Auch die Schiedsrichter haben ihre Finger im Spiel, aber sie als Ausrede zu nutzen wäre zu einfach. Vielmehr sollte langsam mal der Finger in die Wunde gelegt werden.
Welche Wunde?
Die große, klaffende Wunde dich sich langsam aber sicher entzündet, weil immer wieder Dreck reinkommt.
Die Rede ist von den Special Teams!
Es ist erschreckend zu sehen, dass man es nach wie vor nicht hinbekommt darüber mal Akzente zu setzen. Schlimmer noch, in aller Regelmäßigkeit holt man darüber die Gegner wieder ins Spiel. Vor allem auswärts wird das dann oftmals zu einer zu großen Bürde...
Spielverlauf
Up and Down, zwischen himmelhoch jauchzend und zu tode betrübt oder einfach gut und schlecht...nennt es wie ihr wollt!
Was für den normalen Footballfan sicher nett anzusehen war, tat jedem Fan der es mit Royal and Sol hielt, in der Seele weh. Nicht weil es um viel ging, vielmehr einfach nur weil es sowas von unnötig war, dieses Spiel zu verlieren!
Aber gehen wir rein...
Das erste Viertel
Die Broncos gewinnen den Coin Toss und entscheiden sich dafür, den Ball zum Spielbeginn an die Rams zu geben. So sollten sie selbst zum Start der zweiten Hälfte das Ei in Empfang nehmen.
Den ersten Drive eröffnete MS9 mit einem schönen 13-Yard-Pass auf Davis Allen. Was sich anfangs gut aufbaut, endet dann aber nach einer Incompletion und einem Sack von Nick Bonitto mit einem Punt der Rams. Nach 7 Plays und etwa 4 Minuten, bekam damit die Offense von Bo Nix zum ersten Mal den Ball.
Ein 3 & out gab aber den Ball schnell wieder in die Hände das amtierenden MVP.
Und der hatte Bock. 22-Yard-Pass auf WR Davante Adams, complete! 13-Yard-Pass auf Tyler Higbee, complete! Diese Plays, gepaart mit dem ein oder anderem Run, einem Scramble von MS9 und einem weiteren Pass auf Tyler Higbee über 5 Yds. in die Endzone und die ersten Punkte standen fest: Nachdem unser Kicker den Ball zwischen die Stangen jagte stand es nach etwa 10 Minuten 7:0 aus Sicht der Rams!
Die Broncos schicken nun also ihre Offense wieder auf das Feld. Wieder war es ein Drive, der sich nicht entfalten konnte. Nur mit der Unterstützung von Emmanuel Forbes, der für eine DPI sorgte, kam man in die Range für ein Field Goal. Besonders auffällig zu diesem Zeitpunkt war das nicht vorhandene Laufspiel der Broncos, der Ball bewegte sich am Boden nur minimal. Aber zurück zum Field Goal Versuch. Wobei die Betonung auf Versuch liegt! Denn Will Lutz verpasste diesen 43-Yard-Kick denkbar knapp: Doink! Linker Außenpfosten!
Der folgende Rams Drive startete direkt furios. Der gut aufgelegte Kyren Williams marschierte für 30 Yards in Richtung Broncos-Endzone.
Zweites Viertel
Schöne vier Plays später stand man also schon 8 Yards vor dem nächsten Touchdown. G Steve Avila sorgte dann allerdings für ein Holding und eine 10-Yard-Strafe. Einen Passversuch auf WR Konata Mumpfield später musste allerdings die Field Goal Unit Stellung beziehen. Unser "Thicker Kicker" Harrison Mevis gab sich in diesem Moment auch keine Blöße und pfefferte den Ball zwischen die Stangen. +3 auf dem Scoreboard!
Der Rest des Viertels ist relativ schnell zusammengefasst.
Beide Offense-Reihen bekamen noch zwei Mal den Ball. Während die Broncos nach einem 3&out und einem kurzen 7-Play-Drive jeweils zum Punt ansetzten, bewegen die Rams den Ball besser. Ein Drive mit 14 Plays nahm ordentlich Zeit von der Uhr, wurde aber nur mit einem Kick aus 35 Yards abgeschlossen.
Und mit 1:07 auf der Uhr bekam die Rams-Offense nochmals den Ball. Sehr zielstrebig schaffte man es immerhin, nochmals einen Kick aus 40 Yards zu erreichen und auch diesen verwandelte unser Kicker. Somit ging es mit einem sauberen 16:0 in die Halftime.
Im Regen von Denver konnte man von einem flüssigen Spiel sprechen, welches grundsolide runtergespielt wurde. Vor allem defensiv war der Zugriff absolut vorhanden.
Drittes Viertel
Weiter ging es!
Die Broncos kamen aber weiterhin nicht vorwärts. Ein 3&out gab den Rams den Ball wieder in die Hand.
"Hey Leute kommt, wir geben euch nochmal eine Chance" ungefähr das müssen sich Matthew Stafford und Coach McVay gedacht haben. Denn auch die Rams produzierten lediglich ein 3&out!
Und diese Einladung nahmen Bo Nix und Co. dankend an. Etwa fünf Minuten und satte 12 Plays später wurde es zum ersten Mal richtig laut in Mile High. Nach einem 5-Yard-Pass auf Pat Bryant und einer 2-Pt. Conversion durch die Luft auf Jaylen Waddle stand es nur noch 16:8.
Sind wir wieder im "Ein Viertel ist immer scheiße - Modus"? Ja, das sind wir!
Denn nach fünf Plays und einem Drive mit neun negativen Yards ging die Pille per Punt zurück an die Broncos. Wohlgemerkt, an der Mittellinie. Ich wiederhole: An der Mittellinie! Und genau dieser Punt sollte sich rächen. Nicht einmal drei Minuten später stand es 16:16, Bo Nix spielte einen 8-Yard-Pass in die Endzone auf Nate Adkins und danach noch eine 2-Pt.-Conversion auf Pat Bryant und brachte damit das Stadion zum Explodieren. Die Rams gaben das Spiel komplett aus der Hand.
Direkt im nächsten Drive gingen die Rams nach 6 Plays wieder vom Feld. Es klappte in diesem Moment absolut nichts. Die Lautstärke im Stadion stellte die Kommunikation an der Line vor eine große Herausforderung. Stafford gestikulierte mehrfach wild hinter dem Center, teils sehr kurz vor dem Snap und wiederholt sammelten die Rams auch Flaggen für Delay of Game.
Insgesamt musste jetzt langsam aber sicher ein Play her, welches den Druck wieder vom Kessel nehmen und alle wieder etwas beruhigen sollte: Momentum Switch ist hier das Zauberwort!
Viertes Viertel
Und tatsächlich soll es diesen geben! Josh Wallace fing einen Pass von Bo Nix ab und zog der Broncos-Offense vorerst den Stecker!
Einmal durchatmen bitte...
Matthew Stafford übernahm an Denvers 37-Yard-Linie den Ball und hatte nur ein Ziel: Touchdown!
Der Plan klang super, die Umsetzung war leider mangelhaft. In 4:17 Minuten schaffte man es, den Ball ganze 7 Yards zu bewegen. Ergebnis: Field Goal! Immerhin Punkte und den Flow vom Gegner unterbrochen. Sehen wir es positiv!
Nach dem nächsten 3&out von den Broncos wurde das Gefühl wieder besser. Die Rams waren back in the Game! Let's go!
Jetzt musste aber ein Touchdown her! Und die Rams starteten in Person von Stafford und vor allem Davante Adams furios! Aus einer misslichen Lage an der eigenen 9 (Ja, die Broncos können gut punten) befreite man sich mit einem wunderschönen Passpielzug, dieser brachte satte 49 Yards Raumgewinn! Das musste es doch jetzt sein.
Etwas mehr als zwei Minuten später...
Nein, natürlich war es das nicht!
Bei einem 3&6 an Denvers 38 schaute MS9 nur auf Kyren Williams und genau das rächte sich. Talanoa Hunfanga fing den Ball gekonnt ab und zu allem Überfluss trug er den Ball auch noch für 6 Punkte zurück. Ouch! Einfach Ouch!
Scheinbar fühlte sich Matthew Stafford aber jetzt an der Ehre gepackt! Vier Plays, 77 Yards und nur etwas über eine Minute später jubelte Konata Mumpfield bereits in der Endzone der Broncos. Das war stark! Die Rams gingen so wieder mit 26:23 in Front und eigentlich hatte man das Gefühl, das Game ist durch. Bei noch etwa 3 Minuten auf der Uhr vielleicht etwas früh, aber das Vertrauen in die Defense ist da. Und das sogar zurecht, denn Josh Wallace fing kurz vor der Endzone, bei 3rd&6 den Passversuch von Bo Nix ab und beendete damit eigentlich das Spiel....
Eigentlich!
Die Refs waren der Meinung, eine DPI callen zu müssen. Diese Entscheidung verstand (außer vielleicht Sean Payton, aus seiner Sicht als damaliger Saints-Coach war der Call wohl verzögerte Gerechtigkeit) niemand! Wenn jemand behindert wurde, dann war es Wallace selbst, da der Receiver ihn heftig am Trikot zog! Jeder Experte, den man sich zu dieser Thematik anhört, sah es genauso. Ändern tat das aber nichts, der Call stand und wenige Augenblicke später führten die Broncos mit 30:26, denn Nix fand mit einem Sneak selbst den Weg in die Endzone. Sehr schade, dass das Spiel am Ende so eine Wendung nehmen muss.
Aber hey, 47 Sekunden standen noch auf der Uhr!
An der eigenen 33 startete MS9 mit seiner Offense ein nahezu unmögliches Unterfangen. Aber genau solche Situationen kann er wie kein Zweiter. Mit zwei Sekunden auf der Uhr standen die Rams, leider auch bedingt durch eine Strafe, an der 19 der Broncos und unser QB1 hatte einen letzten Shot auf den Gamewinner.
Aber machen wir es kurz: Nein, er fand nicht Kyren Williams, sondern wieder Talanoa Hufanga!
Schluss aus, die Rams stehen bei einem Sieg zu zwei Niederlagen und müssen sich ernsthaft fragen: Warum?
Was lief gut?
Ja was lief gut? Bei einer Niederlage die immer noch für Unverständnis sorgt, ist es schwer etwas Positives zu finden.
Aber...
Stafford hat mal wieder bewiesen, dass er jederzeit in der Lage ist, das Feld in extrem kurzer Zeit zu überbrücken. Das ist immer wieder beruhigend zu sehen.
Auch Kyren Williams lief, sprichwörtlich, gut! Er hatte explosive Runs, mit guter Vision. War aber auch im Passspiel sehr gut eingebunden. Zum ersten Mal in dieser Saison war er der klare RB1.
Aber viel mehr war es dann auch nicht. Evtl. kann man Harrison Mevis noch erwähnen, der alle Versuche verwandelt hat.
Was lief nicht gut?
Special Teams, RedZone Effizienz, die mangelnde Fähigkeit Games zuzumachen. Oder auch die Undiszipliniertheiten, was Flaggen angeht. Sucht euch etwas aus.
Die eklatanteste Schwäche ist und bleibt das Special Team. Es kann einfach nicht sein, dass man selbst seine Returns nicht über die 25 Yds hinaus bekommt, der Gegner aber immer wieder mit starken Returns sein Feld kurz hält und so auch schnell mal wieder das Momentum auf seine Seite ziehen kann. Dies ist halt auch kein Trend oder mal eine Sekundenaufnahme, nein, dieses Problem verfolgt die Rams seit Jahren und auch unser neuer ST-Coordinator Bubba Ventrone konnte daran bisher nichts ändern. Dass jetzt scheinbar auch noch unser Punter Ethan Evans ins Struggeln zu kommen scheint, macht die ganze Sache nicht einfacher. Der "Wumms" den er lange Zeit immer hatte, ist aktuell komplett verschwunden. Vielmehr sind es jetzt kurze Punts mit wenig Hangtime, die einem nicht wirklich weiterhelfen.
Auch die Effizienz in der Redzone wird immer wieder zu einem Problem. Hätte man die drei Besuche vor der Pause mit Touchdowns abgeschlossen, wäre der Deckel aber sowas von auf der Partie gewesen. Mit den Field Goals machte man zwar Punkte, aber die Hintertür blieb auf. Dass oftmals Flaggen die Drives in ungünstige Ausgangslagen brachten, tut sein Übriges dazu.
Da sind wir auch schon beim nächsten Punkt. Selten hat man eine Mannschaft von McVay gesehen die so wenig Disziplin an den Tag legt und deshalb so viele Strafen sammelt. Das tut doppelt weh, wenn man weiß, dass wir in der letzten Saison mit dieser Thematik null Probleme hatten. Wo kommt es also her?
Viele Baustellen, die dringend bearbeitet werden müssen. Denn sonst wird der Weg zum nächsten Ring noch sehr steinig und schwer!
Player of the Match
Das muss Kyren Williams sein!
15 Carries für 88 Yds., 6 Catches für 70 Yds., keinen Fumble und nur einen Drop!
Wie schon erwähnt, erwischte Kyren einen Sahnetag. Er war explosiv, er hatte Vision, er war einfach überall. Hatte starke Hände und hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Absolut verdient ist daher der Titel "Player of the Match"!
Play of the Game
Gerne hätte ich hier die vermeintliche Game-Winning Interception von Wallace genommen. Da hier aber eine Flagge flog, ist das Play raus aus dem Rennen. Danach bleibt eigentlich nur das Big Play für 49 Yards von Stafford auf Adams, welches uns aus einer unglücklichen Position kurz vor der eigenen Endzone befreite.
Davante Adams got it and got going for 49 yards!
@LARvsDEN on NBC/Peacock
— NFL (@NFL) September 28, 2026
Stream on @NFLPlus https://t.co/7xjQhYm8s5
Fazit
Die Rams machen wieder das, was sie die letzten Jahre schon gerne gemacht haben. Sie starten stotternd in die Saison!
Die Fallhöhe ist nach dieser Offseason entsprechend hoch und es ist logischerweise enttäuschend wie es aktuell läuft.
Aber eine NFL-Saison wurde bisher selten am dritten Spieltag entschieden, daher immer mit der Ruhe. Lieber strauchelt man jetzt und kommt dann in einen Run, als das es andersherum läuft. Der Weg in die Playoffs ist noch offen und wenn man eben diese erreicht, beginnt die Saison sowieso von vorne!
Fazit ist aber auch, dass Puka Nacua schnellstmöglich und gesund wieder zurückkommen muss. Denn breit aufgestellt sind wir auf WR einfach nicht. Wobei Konata Mumpfield gute Ansätze gezeigt hat, eventuell kann er sich mit dieser Leistung das Vertrauen von Coach McVay erarbeiten.
Jetzt richten wir die Augen aber lieber wieder nach vorne: Mit den Eagles haben wir ja auch noch eine Rechnung offen!
Also Let's go Rams, zeigt, was ihr drauf habt!

